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8. August 2025 von Monika Ammous
Dollar unter Druck – Euro voraus?

Bis Anfang 2025 erstarkte noch der Dollar. Kurz nach der Jahreswende verlor der US-Dollar deutlich an Wert. Im Verhältnis zum Euro beträgt der Kursverlust seit Jahresbeginn ca. 13 Prozent. Der Euro hingegen steigt und steigt – teils aus eigener Stärke, teils, weil der Dollar auf breiter Front schwächelt.
1. Europa stabilisiert sich – fiskalisch und wirtschaftlich
Während in den USA das Vertrauen in fiskalische Disziplin mit der Verabschiedung des One-Big-Beautiful-Bill schwindet, sendet Europa zunehmend Signale der Stabilität. Der beschlossene Infrastruktur- und Verteidigungsfonds in Deutschland und eine langsame wirtschaftliche Erholung in Südeuropa lassen viele Investoren optimistischer auf den Euroraum blicken. In Verbindung mit einer nur vorsichtig agierenden EZB gewinnt der Euro strukturell an Vertrauen – und damit an Wert.
2. Handelsdefizit und politische Unsicherheit in den USA
Die USA haben nicht nur ein strukturelles Leistungsbilanzdefizit, sondern auch politische Spannungen, die sich zunehmend auf das Vertrauen in die Währung niederschlagen. Handelsstreitigkeiten, ein angespanntes Verhältnis zu wichtigen Wirtschaftspartnern und innenpolitische Lähmung wirken sich negativ auf die Investitionsdynamik in den Dollarraum aus. Wer Kapital langfristig anlegen will, bevorzugt zunehmend Regionen mit mehr Stabilität und Kontinuität – und das ist derzeit nicht die USA.
3. Kapitalflüsse kehren zurück nach Europa
Große Kapitalströme bewegen Wechselkurse – und in den letzten Monaten floss viel Kapital aus US-Dollar-Anlagen nach Europa. Versicherer, Pensionsfonds und institutionelle Investoren sicherten sich gegen Dollarverluste ab oder schichten gezielt in Euro-Anlagen um. Das Ergebnis: Der Euro wird gekauft, der Dollar verkauft. Die Folge ist ein sich selbst verstärkender Trend, der sich aus fundamentalen wie auch taktischen Gründen speist.
4. Der „exorbitante“ Vorteil des Dollars schwindet
Lange galt der US-Dollar als globale Leitwährung. Der Peak bei 71,5 % des globalen Handelsvolumens im Jahr 2000 markiert den historisch höchsten Stand des US-Dollars als globale Reservewährung. Seitdem ist der Anteil kontinuierlich gesunken. Derzeit liegt sein Anteil bei 57,7 %. Mit zunehmender geopolitischer Konkurrenz – etwa durch den chinesischen Yuan – verliert der Dollar seine monopolartige Stellung. Was früher als „exorbitantes Privileg“ bezeichnet wurde (nämlich weltweit in der eigenen Währung Schulden zu machen), ist heute nicht mehr in Stein gemeißelt.
Auswirkungen für Anleger globaler Fonds
Für viele global anlegende Fonds – vor allem mit hohem US-Anteil oder auf US-$ notierenden Anleihen – ist diese Entwicklung eine deutliche Belastung:
Ein schwächerer Dollar verringert den Wert der US-Anlagen in Euro gerechnet. Obwohl der Dow Jones seit Jahresbeginn in US-Dollar eine solide Rendite von rund 4 % erzielen konnte, ist für einen Euro-Anlegern ein Kursverlust von gut 8 % entstanden. Dollarverlust bedeutet mehr Volatilität in Fonds mit globalem Ansatz. Anleger erleben, dass Wechselkurse zunehmend über die Rendite entscheiden – nicht mehr allein die Kursentwicklung der Aktien oder Anleihen.
Fazit: Die Dominanz des Dollars wankt
Der Wertverfall des US-Dollars könnte mehr als ein temporäres Thema werden. Er ist ein Zeichen für einen tiefgreifenden Wandel in der globalen Finanzarchitektur. Während Europa fiskalisch neu durchstartet und geopolitisch wieder eine aktivere Rolle einnimmt, gefällt sich die USA mit Blockade und akzeptiert Vertrauensverlust.
Für Investoren heißt das: Neue Zeiten. Auch Währungen haben eine Performance – und die war zuletzt im Fall des US-Dollars alles andere als positiv.
Allerdings hat sich der neue Präsident in der Vergangenheit auch als großer Zurückruderer gezeigt. Es sind seine Maßnahmen, die den Dollar rund 13 % seines Wertes in Euro gekostet haben, was sich – neben Zöllen und Ausweisung von Migranten – auch Inflationssteigernd auswirkt. Sollte er mit Hilfe der Fed zum Umdenken bewegt werden, könnte alles ganz anders kommen.


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