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3. April 2018 von Richard Forsthofer
Zwanzig Jahre Finanzberatung
Am 1. April 2018 waren es zwanzig Jahre, die ich nun Sie, meine Kunden in ihren Finanzdingen berate.
Es waren schöne, abwechslungsreiche Jahre in denen ich viel lernen und viele tolle Menschen kennenlernen konnte. Basis waren damals 15 Jahre Erfahrungen an den Kapitalmärkten, ein abgeschlossenes Studium und acht Jahre in der Steuerberatung. Startkapital war das über die Jahre angesparte, eine eher üppige Abfindung und zwei Wohnungen, die etwas Miete brachten.
Ob ich den Schritt auch heute gehen würde, kann ich schwer abschätzen. Gerade umgezogen, frisch verheiratet, mit schwangerer Frau und eigentlich ohne echten Plan, wie sich mit der Idee, Menschen fair in Kapitalanlagen zu beraten, wirklich Geld verdienen lassen soll. Damals sah ich die Alternative – in der Steuerberatung zu bleiben oder sich einen Job als Controller zu suchen – als weniger spannend und vielleicht auch als zu langweilig an. Dazu wollte ich von den Kindern etwas mitbekommen, was bis heute funktioniert hat.
Nicht ganz unwichtig waren die Erfahrungen aus der Steuerberatung. Geschlossene Beteiligungen sind kompliziert und nicht sicher. Lebensversicherungen (damals in der Auszahlung steuerfrei und vor allem deshalb sehr beliebt) nach Kosten mäßig rentabel und nur schwer verfügbar. Immobilien? Ja, aber man brauchte auch Zeit und Lust, sich um die Mieter und die Immobilie zu kümmern. Nur wenn man das und die Kosten nicht einrechnete, kam eine halbwegs akzeptable Rendite raus. Dazu machen Immobilien immobil. Offene Fonds waren – trotz des Ausgabeaufschlags, der anfangs die Rendite mindert – eigentlich die bessere Alternative. „Eigentlich“ weil außer Vermögenswirksamen Leistungen und dem einen oder anderen Templeton oder Pioneer kaum wer offene Fonds hatte.
Mir kam es jedenfalls so vor, denn als ich mich mit dem Thema beschäftigte, gab es auch vor zwanzig Jahren eine ganze Menge verschiedener und auch recht unterschiedlich gemanagter Fonds, auch aus Deutschland. Man musste also keinen Versicherungsvertreter suchen, der einem den Templeton Growth verkaufte, sondern bekam – hauseigene – Fonds bei jeder Bank oder die, die man wollte, wenn man bei der Fondsgesellschaft (oft DWS oder Adig) ein Depot eröffnete.
Das Internet war jung und die damals vor wenigen Jahren gegründeten Direktbanken brachten mich auf die Idee, wie ich meinen Teil vom Kuchen abbekommen könnte. Warum nicht – wie die Direktbanken – Fonds mit Rabatt auf den Ausgabeaufschlag verkaufen? Wenn man dazu berät, müsste das doch in den Markt passen. Leider gab es damals weder Plattformen noch wollte von den Direktbanken eine mit mir zusammenarbeiten -aber man konnte den Rabatt ja einfach nachträglich erstatten.
Die Idee gab es, den Rest erledigten das Internet und die Börsen. Von Beginn an – eigentlich ein Jahr davor – war ich als „Rat“ bei Börse Online unterwegs. Es war ausgesprochen gemütlich. Fragen wurden von mir so gut ich konnte beantwortet und irgendwie lernte man sich kennen, ohne sich jemals gesehen zu haben. Der eine oder andere fragte nach, ob ich das denn beruflich mache und der eine oder andere wurde Kunde. Das Ganze so langsam, dass meine Frau – die ab 1998 (wegen Julia und Timo) für fünf Jahre auch immer da war – sich ganz sicher war, dass ich mich doch unbedingt um eine Controllerstelle bewerben müsste. Ich wusste auch nicht genau, wohin mich der andere Weg führte – merkte aber, dass es richtig war!
Dann kam das Jahr 2000 und plötzlich ging alles sehr schnell. Zwar gab es immer noch keine Fondsplattformen, das Handling war also umständlich. Aber die Menschen, die mich vom Fondsforum kannten, erinnerten sich daran, was ich ihnen über Aktien im Allgemeinen, den Neuen Markt und Techwerte im Besonderen und vor allem, was ich ihnen zu deren Risiken geschrieben hatte. Tenor: wenn man muss, kann man das machen aber bitte als Sparplan. Was teuer ist kann auch schnell billig werden. Zwischen 2001 und 2003 kam fast jede zweite Woche ein Neukunde dazu. Alle von Börse Online. Wer am Kapitalmarkt damals mitmachte verlor Geld. Manche wollen von den Märkten seit damals nichts mehr wissen. Ich denke, ich konnte vielen klar machen, dass es noch immer eine der sinnvollsten Anlagen, wenn nicht sogar die sinnvollste Anlage ist. Vor allem hatten sie in mir einen Ansprechpartner.
Für manche Anleger, die wegen des Rabatts Kunden wurden – der wie heute schon damals über dem bei Direktbanken lag – kam mir die Erkenntnis, als Ansprechpartner wichtig zu sein, zu spät. Wenn mir heute jemand erzählt, dass man doch einfach billig einkaufen und teuer verkaufen soll und warum die Fonds das nicht machen, empfehle ich ihm, das einfach zu versuchen. Ehrlichkeit zum Kunden – und zwar vollkommene – wurde mir in die Wiege gelegt.
Der Rest? Ein Crash nach dem anderen. Das Hoch des EuroStoxx 50 von 2000 liegt auch heute mehr als 50 % über dem aktuellen Niveau. Trotzdem haben alle Kunden gutes Geld verdient. Auch deutlich mehr als die im EuroStoxx nicht eingerechnete Dividende. Die Fonds machen, was sie sollen. Sie steigen und sie atmen. Mal mehr, oft auch weniger und wenn ein Fonds nachhaltig mehr „atmet“ als er von seinem Risiko her sollte, wird er ausgetauscht. Problematisch wird es immer nur, wenn die Börsen aufhören zu atmen, aber ausgerechnet dann wollen alle einsteigen.
Inzwischen, aus verschiedenen Gründen, vor allem der Nachlass- und Nachfolgegestaltung als MaDrei AG und zu viert, kennen wir jeden der Manager, denen Sie Ihr Geld anvertrauen, einen Großteil persönlich. Unsere Neukunden kennen wir inzwischen auch zu einem größer werdenden Teil nicht nur von Email und Telefon. Eigentlich ein Rückschritt.
Der Staat hat immer mehr Einfluss in die Beratung und man muss klar sagen: er kann es nicht!!! Aber auch das ist weder neu noch kann es uns aufhalten.
Und in Zukunft? Werden aus unseren Anlegern reiche Menschen, die ein entsprechendes Leben führen. So soll es sein und so wird es kommen. Die MaDrei sollte aktuell der Anlageberater mit mehr als 250 Kunden (also jenseits der Family-Offices und jenseits der ein-Familien-Anlageberater) mit den im Schnitt reichsten Kunden sein und so wird es auch bleiben. Der Grund ist wahrscheinlich, dass alle gut finden, was wir machen. Wenn ich wie heute von einer Reise zurückkomme und der DAX zwischenzeitlich gut 4 % abgegeben hat, wird mir berichtet, dass die Woche sehr ruhig war. Das liegt in einer Grundeinstellung eines jeden Kunden zu seinen Kapitalanlagen, die passt.
Ziele gibt es auch! Natürlich wird alles für alle immer einfacher. Natürlich auch alles besser. Natürlich wollen wir in Zukunft immer alles richtig machen. Schwer wird es auch in Zukunft, möglichst viele Menschen dort zu erreichen und bei der Hand zu nehmen, wo sie stehen. Das auch mit jungen Menschen hinzubekommen wird das Ziel der nächsten Jahre und wie vor zwanzig Jahren habe ich keine Ahnung, ob sich der Aufwand irgendwann rechnet.
Ihr und Euer
Richard Forsthofer
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