11.07.2018 von Monika Spanner

Handlungsbedarf aufgrund Handelskrieg?

Seit Monaten berichten Medien von einem sich anbahnenden weltweiten Handelskrieg. Angezettelt wurde dieser von Donald Trump. In seinem Schussfeld sind nicht nur weit entfernte Länder wie China, sondern auch die EU und am langen Ende die ganze Welt.

HandelsKRIEG – Kriege hinterlassen oft einen Gewinner und einen Verlierer. Bei Handelskriegen aber wird davon gesprochen, dass beide Seiten langfristig Verlierer sind. Dabei gibt es wie immer zwei Seiten, es gibt Argumente für Freihandel, also gegen Zölle aber auch Argumente für Protektionismus, also pro Zölle.

 

Argumente für den Freihandel – keine Zölle

  • Da Unternehmen weltweit konkurrieren, wird die Innovationskraft durch Freihandel angeheizt. Im weltweiten Markt lohnen sich Investitionen in Innovationen (z. B. in Medizin und erneuerbare Energie), die im allein heimischen Markt unrentabel wären. Deshalb werden Kapital und Man-Power - vor allem aber nicht nur in entwickelten Ländern – in zukunftsträchtige Industriezweige gelenkt.
  • Entwicklungsländer können aus eigener Kraft wachsen, wenn ihre Produkte ohne Zölle in die geöffneten Märkte von entwickelten Ländern exportiert werden können. Die oft geringeren Lohn- und Lohnnebenkosten sorgen am langen Ende auch bei Verbesserung der Arbeitsbedingungen für eine Angleichung der Lebensverhältnisse.
  • Freihandel ohne Zölle verbilligt die Preise nicht nur für Endverbraucher, sondern auch für Rohstoffe und Vorprodukte, was die Produkte eines Landes weltweit konkurrenzfähiger macht.

Argumente für den Protektionismus – pro Zölle

  • Freihandel kann zur Spezialisierung eines Landes auf wenige (Agrar- oder sonstige) Güter führen. Zölle führen dazu, dass auch weltweit nicht konkurrenzfähige Branchen bestehen bleiben, was die Abhängigkeit vom Welthandel mindert.
  • Protektionismus schützt in gewissem Umfang vor gesundheits- oder umweltgefährdenden Waren. Beispiel: Lebensmittel. Genmanipulation ist in den USA weit verbreitet.
  • Protektionismus bietet Schutz vor unfairen Handelspraktiken - Dumping. Durch Subventionen in einem Land kann ein Industriezweig gefördert werden. Somit sind solche Unternehmen in der Lage in einem anderen Land - wo dieser Zweig nicht gefördert wird - billige Produkte anzubieten und Marktanteile für sich gewinnen. Ein gutes Beispiel hierfür sind Agrarprodukte, die in Europa und den USA subventioniert werden, aber auch Solarmodule, bei denen China über Subventionen zum Weltmarktführer wurde.
  • „Infant industries“ bedeutet, dass der Industriezweig in den Kinderschuhen steckt. Neue noch junge Unternehmen benötigen Zeit bis sie international wettbewerbsfähig sind. Diese Zeit kann durch Zölle erkauft werden.
  • Länder wollen sich in manchen wichtigen Bereichen nicht von andern Ländern abhängig machen. Dazu zählen zum einen der Lebensmittelsektor, aber auch militärisch wichtige Industriesektoren, wozu z.B. die Luftfahrt gehört.

Wir leben nicht in einer Welt, in der schwarz-weiß-denken zum richtigen Ergebnis führt. Für manche Industriezweige und in manchen Situationen sind Zölle sicherlich richtig.

Auch die EU erhebt Strafzölle. So werden chinesische Stahlerzeugnisse um bis zu 90 % und Lebensmittel bis zu 126 % verteuert. Auf aus den USA stammenden Pick-ups mit Ladefläche werden 22 % Zoll erhoben - gegenüber 10 % bei PKWs. Wobei der Einfuhrzoll von europäischen PKWs in die USA derzeit bei 2,5 % liegt. Gerecht? Der Vorteil liegt jedenfalls auf den ersten Blick bei der EU.

Zölle führen zur Verteuerung ausländischer Produkte. Das hat Nachteile. Es kann aber auch Vorteile haben.

Was bedeutet das für Anleger?

Zölle gibt es schon lange. Der US Präsident ist mit dem Status-quo der Zölle nicht zufrieden. Vor allem soll China weiter seine Märkte öffnen und nicht nur die offenen, liberalisierten Märkte „ausnutzen“. Nichts zu machen wäre das einfachste. Ob dieser Ist- (oder mehr „Gerade-eben-noch-)Zustand aber gerecht ist, ist im Falle Chinas fraglich. Ob die Idee des US-Präsidenten, den Ist-Zustand zu verändern, zu einer Verschlechterung führt? Vielleicht! Durch weltweit merklich höhere Zölle könnten alle verlieren. Wenn China einlenkt und der „Krieg“ zu einem faireren internationalen Handel führt, würden alle gewinnen. Persönlich gehe ich von letzterem aus.

Die Börsen mögen Zeiten von Unsicherheiten nicht, weshalb es in den letzten Monaten zu Schwankungen gekommen ist. Weitere Schwankungen sind wahrscheinlich, doch für strategische Entscheidungen sollte das Ganze betrachtet werden. Die einzige sichere Auswirkung steigender Zölle sind höhere Preise. Über alles andere kann nur vermutet werden und sollte China, Russland und die EU im Handelskrieg stärker zusammenrücken – was sich derzeit ankündigt – könnte der Krieg auch für europäische Unternehmen positiv enden. Nicht zuletzt könnte die Inflation merklich anspringen und in der Folge der Zins steigen, was nicht nur auf Finanzwirtschaft und Versicherungen, sondern auch auf die Entschuldung der Staaten einen positiven Einfluss hätte.

Mit Blick auf die vielen Krisen der letzten Jahrzehnte steht fest, dass Taktik der Feind langfristiger Investitionen ist. Dazu sehe ich Geldwerte wie den Euro unsicherer als Aktien gut geführter Unternehmen, die sich auch in der Vergangenheit auf neue Regeln und Zölle einzustellen hatten. Der Euro steht weiter auf wackeligen Beinen und im Dollarraum könnte die Inflation durch die Zölle unangenehme Sphären erreichen. In Währungen mittel-, vor allem aber langfristig Vermögen zu „speichern“ ist keine gute Idee.

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