19.07.2016 von Richard Forsthofer

Die Flut hebt alle Boote

Die Welt ist unsicherer geworden. Inwieweit der Brexit, die steigende Unsicherheit in Frankreich oder die Ereignisse in der Folge des Putsches in der Türkei die Ergebnisse der Unternehmen beeinflussen ist offen. Gleichzeitig erreicht der S&P 500, ein Index der die 500 größten Unternehmen der USA beinhaltet, vor kurzem ein neues Allzeithoch. Auch der deutsche und der europäische Aktienmarkt halten sich wacker.

Steigende Aktienkurse bedeuten nichts andres als dass der Unternehmenswert steigt. Doch wie ist das möglich wenn die Gewinne rückläufig sein könnten? Der Grund ist einfach. Bei negativen Zinsen für sicheres Geld und Minizinsen für etwas Risiko, wirken manche Unternehmen auch mit einem KGV von 20 noch höchst attraktiv. Was wir im Kopf haben, stammt aus Zeiten, in denen es noch Zinsen gab.

Die Geldflut der Zentralbanken lässt also nicht nur Anleihen sondern auch die Aktien steigen oder (genauer) verhindern derzeit merkliche Korrekturen. Selbst dann, wenn Frankreich zum Land wird, für das Reisewarnungen bestehen, die Türkei politische Probleme bekommt oder in Amerika ein Undiplomat zum Präsidenten wird. Im Gegenteil sorgen derartige Ereignisse dafür, dass die Zentralbanken ihre offensive Politik nicht drosseln werden, was nicht nur Anleihen sondern auch Aktien attraktiver macht.

Fondsmanager sind auf der Suche nach Rendite für ihre Investoren. Diese müssen opportunistischer denn je zuvor unterwegs sein und in neuen Sphären denken. Interessant scheint es z. B. in Gebieten nach Rendite zu suchen, in denen die Zentralbanken noch nicht negative Zinssätze eingeführt haben. Regionen hierfür sind z.B. Neuseeland, Australien und viele Schwellenländer.

In den nächsten Tagen sollten vor allem italienische Banken ein Thema sein. Diese sitzen nämlich noch immer auf faulen Krediten von 360 Mrd. €. Aufgrund der erhöhten Vernetzung der Banken untereinander, kann eine Krise, die vordergründig italienische Banken betrifft, auch auf deutsche Banken und institutionelle Anleger übergreifen. Wie schlimm es kommen kann, hängt davon ab, wie viel an „italienischen Risiken“ das Unternehmen in seinen Büchern hat. Dass die italienischen Banken von der Gemeinschaft saniert werden, halte ich für wahrscheinlich.

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